Urlaub auf dem Containerschiff
Manchmal kommt man auf etwas anderen Wegen an die Art seines Urlaubs. Diesmal war es der Reisebericht eines Forenmitglieds, welcher meine Freundin und mich inspirierte.
Urlaub auf einem Containerschiff klingt im ersten Moment etwas langweilig, wer sich aber ein bisschen damit beschäftigt findet heraus, dass es hier die ungeschminkte und ungefilterte moderne Seefahrt zu sehen gibt.
Ganz ohne die Atmosphäre eines schwimmenden Hotels das einen zu ausgetretenen Touristenpfaden schaukelt.
Unsere Route sollte uns relativ planmäßig von Hamburg durch den Nord-Ostsee-Kanal nach Kopenhagen (Dänemark) – Helsingborg (Schweden) und über Aarhus (Dänemark) wieder zurück nach Hamburg führen.
Natürlich muss man sich bewusst sein, dass auf solch einer Reise der Passagier wirklich nur Gast ist und die Fracht IMMER Vorrang hat. Etwas Flexibilität ist hier also was die Ankunfts- und Abfahrtszeiten in den Häfen betrifft von Nöten.
Dafür wird man jedoch mit Freiheiten entlohnt die auf einem Passagierschiff undenkbar sind. So zum Beispiel ist das Schiff bis auf einige Ausnahmen immer voll zugänglich. Dies schließt selbst verständlich auch die Brücke mit ein! Lediglich den Maschinenraum sollte man nur nach Absprache mit dem Chief Engineer besuchen und während des Be- und Entladens ist der vordere Teil ab dem Deckshaus ein Tabu.
Auch ergeben sich immer wieder hochspannende Gespräche und Diskussionen rund um die moderne Seefahrt von und mit Leuten die einem aus erster Hand berichten können.
So nun genug Gerede jetzt gibt es Fakten, Bilder, Menschen, Emotionen und und und
06.06.09 - 13.00Uhr MESZ - 53°31′56.29” N 09°54′29.92” O
Eurogate Containerterminal Hamburg, wir gehen an Bord der MS Sven. Freundlich werden wir von der Mannschaft begrüßt die bereits an der Gangway Wache hält. In unserer Kammer die erste Überraschung: Platz! Für solch eine Kabine müsste auf vielen Kreuzfahrtschiffen wohl eine Menge Geld bezahlt werden. Wir haben einen eigenen Wohnbereich mit Fernseher und DVB-T Empfänger und anderen Annehmlichkeiten wie z.B. freien Blick aufs Meer.
Nach einer Einweisung in die Sicherheitsausrüstung durch den 2. Offizier geht es zum ersten Mal auf die Brücke. Für jeden Technikfan das richtige. So musste auch der Chief Mate erst einmal gute 2 Stunden sich von unseren ersten Fragen quälen lassen. An dieser Stelle nochmal Danke für die Geduld auch das hundertste Mal die gleichen Fragen zu beantworten!
Ohne langweilig zu erläutern wie beeindruckend der Hamburger Hafen ist, lasse ich Bilder sprechen:

Bevor wir gegen 18.30Uhr den Liegeplatz an den Burchardkai verlegen geht es zum ersten Mal in die Offiziersmesse. Dreißig Minuten später ist klar das meine Waage diese Reise noch lange in Erinnerung behält. Oder kurz gesagt: Verdammt lecker!
Wir ändern also unseren Liegeplatz und die letzten Ladevorgänge finden statt. Das gibt uns Passagieren die Zeit, trotz beginnendem Regen, den Hafen und das Schiff genauer zu betrachten.
Die Bootmänner sind für 23.00 Uhr bestellt. Dann soll also auch ausgelaufen werden. Hat die Stunde geschlagen kommt etwas Hektik auf, da ein einlaufendes Großschiff, welches zum CTA möchte, die Elbe für einige Zeit blockieren wird. Wir laufen aber noch rechtzeitig aus um unseren Zeitplan zu halten.
Im Funk bekommen wir noch mit das ein Fährkapitän in der Hansestadt weniger Glück mit seiner „Fracht“ hatte und er dann doch gerne die Wasserschutzpolizei an Bord hätte. Wörtlich „Die sind schwerstangetrunken und müllen mir den ganzen Kahn zu!“. Mit einem Schmunzeln geht es in die Koje und wir werden sanft in den Schlaf geschaukelt.
07.06.09 - 06.42Uhr MESZ - 54°20′34.72” N 09°55′26.36” O
Nanu, wir fahren aber dicht an Land?! Nach einigen Sekunden im Angesicht des Aufwachens fällt mir wieder ein dass wir gerade im Nord-Ostsee-Kanal sind.


Wir begegnen einigen Frachtern und werden vom Kreuzfahrtschiff Athena „verfolgt“. Da es hier ein „Tempolimit“ gibt und durchaus manchmal auch „geblitzt“ wird brauchen wir für die Fahrt von Brunsbüttel nach Kiel ca. 8 Stunden. Nach der östlichen Schleuse in Kiel fahren wir zunächst Nordkurs um dann mit Ostkurs Rügen zu passieren. Im Anschluss geht es wieder mit wechselnden Nordkursen und leider überwiegend schlechtem Wetter Richtung Kopenhagen. Ein unspektakulärer Tag auf See der mit viel Schlaf, flauem Magen und ein bisschen fotografieren verbracht wird.




Wie sicher dem ein oder anderen aufgefallen sein dürfte spreche ich immer von „Wir“. Das ist auch gut so, denn man fühlt sich binnen kurzer Zeit als Mitglied der Mannschaft und man ist geneigt zu sagen „Unser Schiff“.
Später am Abend, um genau zu sein 00.06 Uhr am nächsten Morgen, legen wir am Containerterminal in Kopenhagen an. Das Entladen soll planmäßig um 06.00 Uhr beginnen.
08.06.09 - 07.20Uhr MESZ - 55°42′38.99” N 12°36′17.12” O
Kopenhagen. Der erste Hafen unserer Rundreise. Eigentlich mit seinem kurzen Kai für die größte der Stadt des Landes eher ungewöhnlich. Die Mannschaft führt die obligatorischen Malerarbeiten an Bord durch und es beginnt der ewige Kreislauf des Ent- und Beladens. In Dänemarks Hauptstadt kommt allerdings deutlich weniger an Bord als ausgeladen wird, so dass unser 2 Stunden Sprint weiter nach Helsingborg mit einem wenig gefüllten Schiff stattfindet.
Für unseren ersten Landgang in Kopenhagen reichte die veranschlagte Liegezeit im Hafen leider nicht aus, aber an Bord wurde uns trotzdem nicht langweilig zumal es sowieso hauptsächlich regnete.
Wir nutzten die Zeit der Überfahrt u.a. um den Chief Engineer in seinem „Reich“ zu besuchen. Der 4-Takt MAN Dieselmotor mit 8 Zylindern ist zwar eher ein kleinerer Vertreter aber dennoch sehr beeindruckend zu sehen.
08.06.09 – 14.50Uhr MESZ - 56°01′48.50” N 12°41′30.12” O
Nach der Rückkehr aus den Tiefen des Schiffes bekommen wir gerade noch das Festmachen in Helsingborg mit, welches seinen Aufstieg der Tatsache zu verdanken hat, dass hier mit der nur 5 km breiten Meerenge bis zum Bau der Öresundbrücke, die kürzeste Verbindung zwischen Dänemark und Schweden bestand. Und tatsächlich verkehren zwischen hier und Helsingör auf der dänischen Seite Fähren im 5 Minuten Takt. Zwischen den Containerreihen “spiele” ich noch ein wenig mit den gestapelten Conainern und nutze die Gelegenheit die “Sven” von Ihrer besten Seite abzulichten. Die Mannschaft setzt Ihre begonnen Malerarbeiten fleißig fort.
Wir beginnen bei sonnigstem Wetter einen ausgedehnten Landgang und entdecken eine Stadt, die neben Ihren bekannten Wahrzeichen wie dem achteckigen Burgturm Kärnan und dem Rådhuset mit seinem 65m hohen Hauptturm, den Charme einer typischen schwedischen Stadt versprüht. Besonders der Bereich um den Hauptplatz Sortorget ist mit seinen kleinen, verwinkelten Gassen sehr sehenswert.

Zurück auf dem Schiff geht das Beladen in die heiße Phase und zieht sich mit riesigem Tempo bis in die Nacht hinein. Wobei hier im Norden und kurz vor Mittsommernacht die Dunkelheit erst gegen 24 Uhr eintritt. Dennoch war die Stapelarbeit unserer Schiffscrew und der Hafenarbeiter direkt vor dem Aufbau sehr beeindruckend. Irgendwie fahren wir zwar nun als Werbefläche für „Hamburg Süd“ durch die Gegend, aber was soll’s ;).
Ein super Tag neigt sich dem Ende zu, der nicht zuletzt wegen des tollen Wetters in Helsingborg unvergesslich bleiben wird.
Um 23.45 Uhr erfolgt das Ablegen Richtung Aarhus und die “Sven” gleitet dem letzten Lichtstreifen am Horizont nach.
09.06.09 – 07.30Uhr MESZ - 56°09′21.26” N 10°14′36.82” O
Neuer Tag, neuer Hafen. Gegen 6.30 Uhr sind wir in Aarhus eingelaufen. Die Arbeiten am Schiff starten gegen 7.00Uhr. Nur wenige Container werden innerhalb von gerade mal 2 Stunden bewegt. Dies hat sich erst wenige Tage vor Einlaufen ergeben und somit verkürzte sich unsere Reise spontan um einen Tag. Mit solch kurzfristigen Frachtänderungen muss man rechnen und so fiel auch unser geplanter Landgang in Aarhus ins Wasser.

Gegen 10 Uhr beginnt auch schon die Heimreise nach Hamburg durch das glitzernde Wasser des großen Belt auf verschiedenen südlichen Kursen.
Am Abend sollen wir Kiel wieder zu Einfahrt in den Nord-Ostsee-Kanal erreichen.
09.06.09 – 18.45Uhr MESZ - 54°21′57.15” N 10°08′36.68” O
Nord-Ostsee-Kanal, Schleuse Kiel. Die zweite Kanaldurchfahrt beginnt mit einer traumhaften Abendstimmung die uns auch die „Seelenverkäufer“ , welche dem Schiff entgegenkommen, schön ausleuchtet. Kurz nach Sonnenuntergang gibts es auch noch ein Familientreffen mit der “Ida Rambow”. Um 23.30Uhr wechselt der Lotse auf halber Strecke, die 2 Steuermänner sind seit Kiel an Bord, und wir fahren als annähernd einziger Verkehr westwärts Richtung Brunsbüttel, wo wir irgendwann zwischen 2 und 3 Uhr ankamen.
10.06.09 – 06.30Uhr MESZ - 53°30′18.00” N 09°56′12.81” O
Hamburg, Container Terminal Altenwerder (CTA) – Unser Umlauf ist vollbracht. Jetzt gilt es den ganzen Tag über bis 6 Uhr am nächsten Morgen die verschiedenen Terminals anzulaufen. Bevor wir bei strömenden Regen von Bord gehen, haben wir noch die Gelegenheit das Be- und Entladen am vollautomatisierten CTA zu beobachten, wo sich computergesteuerte Fahrzeuge wie von Geisterhand bewegen.
Schließlich verlassen wir mit einem weinenden, aber auch mit einem lachenden Auge UNSER Schiff, das sich am nächsten Morgen- mit neuen Passagieren- wieder in Richtung Malmö aufmacht.



























































